
June 8, 2026
Du landest auf der Website einer Frau, die du nicht persönlich kennst, scrollst kurz, klickst dich auf die Über-Mich-Seite, liest zwei, drei Sätze, schaust auf das Foto neben dem Text und denkst, ohne es genau benennen zu können: irgendwie passt das gerade nicht zusammen, als ob beides aus verschieden Zeiten stammt.
Du klickst weiter, gehst vielleicht zur Startseite zurück und dann verlässt du die Seite ganz, weil der Mismatch spürbar ist und dich das nicht in die Seite reingezogen hat.
Darum geht es in diesem zweiten Teil meiner kleinen Website-Serie, nachdem im ersten Teil die Standortbestimmung als erster Schritt im Mittelpunkt stand. Die Bilder einer Website und die Worte einer Website sollten zusammenpassen, sie sollten aus derselben Position und Energie heraus entstanden sein.
Oft ist es ja so, wenn eine Website schon eine Weile online ist: das Bild wurde irgendwann gemacht, vielleicht für einen früheren Auftritt, für eine LinkedIn-Aktualisierung, vielleicht, weil eine Freundin gerade die Kamera dabei hatte und es schnell gehen musste. Der Text wurde später geschrieben, in einer anderen Stimmung und mit einem anderen Blick auf die eigene Arbeit. Immer mal wieder werden ein paar Fakten aktualisiert, und manchmal liegen Wochen dazwischen, Monate oder sogar Jahre.
In dieser Zeit hat sich aber etwas verschoben, und das ist gerade bei Frauen 45+ in einer beruflichen Neuausrichtung fast immer der Fall. Die Frau, die in dem Foto vielleicht unsicher in die Kamera schaut, ist nicht mehr ganz die Frau, die im Text mittlerweile selbstverständlich von ihrer Arbeit erzählt. Oder umgekehrt: das Foto zeigt eine Frau, die noch in einer früheren beruflichen Phase steckt, mit anderem Auftritt, anderer Energie, anderer Kleidung, während der Text schon die neue Phase beschreibt. Was fehlt ist Kohärenz, und das ist für Leser leider schnell spürbar.
Sie merken, dass etwas nicht ganz zusammenpasst, und sie bringen das oft nicht mit dem Foto-Text-Verhältnis in Verbindung. Sie denken vielleicht, der Text ist einfach nicht interessant zu lesen, oder das Foto wirkt ein bisschen distanziert, oder beides zusammen ergeben kein rundes Bild. Tatsächlich ist es aber genau das: Bild und Sprache stammen aus zwei unterschiedlichen Phasen und passen einfach nicht wirklich zusammen.
Und wenn beides eben in unterschiedlichen Phasen entstanden ist und nicht auf der Grundlage einer Standortbestimmung, kann es eben passieren, dass die Frau, die da beschrieben wird, eine andere ist als die auf dem Bild zu sehen ist.
Deswegen lege ich so viel Wert auf die Arbeit, die vor einem Shooting geschieht. Bevor ich mit meinen Kundinnen über Bildmotive oder Textstrukturen spreche, schauen wir uns an, mit welcher Positionierung sie jetzt nach außen gehen möchte, denn daraus entsteht alles Weitere. Die Wahl der Bildsprache, die Auswahl der Outfits, die Setting-Entscheidungen, aber eben auch der Ton der Texte und die Worte, die auf der Website verwendet werden oder eben bewusst nicht auftauchen.
Zur Unterstützung bekommen meine Kundinnen ein Workbook, den PURE Vision Guide, um eine klarere Vorstellung davon zu bekommen, wie sie nach außen auftreten und wirken möchten. Also bevor es nach Außen geht, gibt es den Blick nach Innen.
Wenn du das jetzt liest und denkst, dass dir genau dieser Bruch bekannt vorkommt, weil du diese ehrliche Standortbestimmung immer übersprungen hast, dann lohnt es sich in jedem Fall, jetzt damit anfangen.
Und falls du eine Fotografin für deine neue Personal Brand suchst, die dieser Vorarbeit genauso viel Raum gibt wie dem Shooting selbst, dann lass uns gerne sprechen.
Zusammengefasst: Wenn Foto und Text auf deiner Über-Mich-Seite aus zwei verschiedenen Phasen stammen, spüren das deine Besucherinnen, auch wenn sie es nicht benennen können. Damit beides zusammenpasst, müssen Bild und Sprache aus derselben Standortbestimmung entstehen, am besten gleich von Anfang an.